Ein ausgeschlafener Tischler

Auf unserer ersten Messe, der Blickfang 2012 in Stuttgart standen wir uns drei Tage in der Liederhalle gegenüber. Zwischendurch, wenn mal keine Besucher an unseren Ständen waren haben wir uns über das tischlern und die Architektur in Vorarlberg unterhalten. Sofort merkten wir: Da liegen zwei auf der gleichen Wellenlänge! Ich erinnere mich noch sehr gut, dass Hubert sehr stolz berichtete, dass seit zwölf Jahren keine Spanplatte und auch kein Lack mehr in seiner Tischlerei verabeitet wurde! Als wir dann im Frühjahr 2013 Hubert in seiner Werkstatt besuchten, hat es uns umgehauen: Dort roch es nur nach Holz – pures Holz! So stellt sich doch jeder eine Tischlerei vor. Zusammen mit seiner Frau Ursula und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden in der Werkstatt vor allem Betten gebaut. Und was gibt es schöneres als in einem Bett zu schlafen das aus massivem Holz besteht und nur geölt wird. Glauben Sie mir, wenn Sie einmal in einem solchen Bett geschlafen haben, dann wollen Sie nie wieder in einem anderen schlafen. Die Betten können Sie bei Händlern in Deutschland, der Schweiz und natürlich auch in Österreich kaufen. In Dornbirn und Innsbruck gibt es eigene Geschäfte. Schauen Sie mal vorbei und "Schlafen auf Probe".

Zusammenarbeiten

Schon beim ersten Besuch dachten wir: Wie schön wäre es, wenn diese klassische Tischlerei, die ausschließlich mit Vollholz arbeitet und auf Lacke verzichtet, einige Möbel für uns bauen könnte?! 2016 war es dann soweit. Das Frühstücksbrett EDGE und die Schneidebretter MARGARETE und YLVIE werden in Dornbirn gefertigt. Die Tischler fertigen die Bretter als Rohlinge für uns und wir dürfen dann in der Werkstatt die finalen Arbeiten ausführen. Wir schleifen die Bretter, setzen die Griffbleche ein und ölen die Bretter mit Leinöl ein. Das ist immer ein große Freude selbst in der Werkstatt stehen zu dürfen und sich für ein paar Tage wieder als Tischler zu fühlen.

Die Tischlerei Hubert Feldkircher hat einen wunderbaren Ausblick in die nahen Alpen.

Der wohl schönste Ausblick von einer Werkbank. Von hier fällt der Ausblick auf den Dornbirner Hausberg, den Karren und die Glarner Alpen. Traumhaft.

 

Neue Werkstatt – nur aus Holz

Die "alte" Tischlerei wurde langsam zu klein für die Bettenproduktion. Die Feldkrichers entschlossen sich für einen Neubau. Bei dem neuen Gebäude sollte natürlich soviel Holz wie möglich verbaut werden. Auch die tragenden Elemente und Decken. Das neue Werkstattgebäude hat das Bregenzer Architekturbüro CukrowiczNachbaur Architekten entworfen. Ein extrem interessantes Bauwerk. Im vorderen Teil befindet sich ein großzügiger Schauraum, die Büros und Sozialräuem auf drei Etagen und die dahinterliegende Werkstatt verteilt sich auf zwei Etagen. Unten in der Werkstatt lagert das Holz, werden die bohlen und Bretter zugeschnitten und ausgehobelt. Per Aufzug geht es dann ein Stockwerk höher und dort werden die Bretter und weiteren Einzelteile der Betten und Möbel dann weiterverarbeitet, verleimt, geschliffen, zusammengebaut und bekommen ihre Oberflächenbehandlung. Aus dem oberen Stockwerk gibt es große Fensterbänder von wo aus man einen schönen Ausblick auf die umliegenden Berge hat. Das ist wahnsinnig schön!
Bis auf die betonierte Bodenplatte ist wirklich alles aus Holz. Die Stützen und auch die langen Balken wurden aus Baubuche gefertigt. Mit diesem, auf spezielle Art verleimten Holz, lassen sich hohe Lasten und lange Spannweiten realisieren. Die Wände sind als Holzrahmenbau mit vorgehängter Holzfassade gebaut. Auf der Innenseite sind die Wände und Deckenuntersichten mit einer Dreischichtplatte aus Fichte verkleidet und auf dem Boden wurde ein Eichenparkett verlegt. Das schwingt und ist elastischer als ein Betonboden. Besser, weil Rücken- und Gelenkschonend.

 Alles aus Holz beim neuen Werkstattgebäude der Tischlerei Feldkircher in Dornbirn

Die neuen Arbeitsbereiche sind von Tageslicht geflutet und es macht sicher total viel Freude hier zu arbeiten. Als wir im Januar 2022 die Werkstatt besucht haben, lag der Einzug erst wenige Wochen zurück und die neuen Abläufe und Wege mussten sich in der Werkstatt noch finden und es gab noch einige Arbeiten für die Bürpräume und den Schauraum zu erledigen. Eins ist aber klar: Diese neue Werkstatt riecht noch mehr nach Holz als die davor, denn hier ist wirklich alles aus Holz.

In der neuen Werkstatt ist jetzt so viel Platz, dass wir auch unter der Woche bei Hubert in der Werkstatt arbeiten können. Anfang Juli werden wir für zwei, drei Tage in der Werkstatt sein und 100 EDGE Jausenbretter schleifen und ölen. Im letzen Jahr wurde zusammen mit Hubert und Christoph der Tisch JOSEF als Prototyp gebaut. Damit dieser nun in Kleinserien gebaut werden kann, werden wir die Erfahrungen aus dem Bau der ersten Tische sammeln und den Prozess noch optimieren. Wir sind schon gespannt, wohin wir den ersten Tisch liefern werden.